Flexible Arbeitsmodelle und Work-Life-Balance sind in den vergangenen Jahren immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Von Home Office, über Part-Time-Jobs bis hin zu Sabbaticals – Möglichkeiten gibt es viele. Dennoch wünschen sich laut einer Umfrage der PageGroup 63 Prozent der Arbeitnehmer mehr Flexibilität im Berufsalltag. Der Optimierungsbedarf ist also nach wie vor groß.

Große Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Deutsche Telekom oder die Deutsche Post machen es vor – sie haben die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter erkannt und versuchen, diesen so gut wie möglich gerecht zu werden. Heute reicht es nicht mehr seine Mitarbeiter angemessen zu bezahlen oder die Standard Work-Life-Balance Angebote, wie Teilzeit oder Home Office, anzubieten. Das Gesamtpaket muss stimmen. Ein Trend, der vor allem in der viel beschriebenen Generation Y zu finden ist. Gerade junge Arbeitnehmer legen viel Wert auf eine Ausgeglichenheit zwischen Beruf und Privatleben. Für sie sind die Angebote rund um flexible Arbeitszeiten und Work-Life-Balance ein Ausschlusskriterium, wenn es um die Wahl ihres Arbeitgebers geht. In der Altersgruppe der 30 bis 49-Jährigen gehen lediglich 39 Prozent davon aus, dass sich ihre Work-Life-Balance in den nächsten 12 Monaten verbessern wird. Flexible Arbeitszeiten, räumliche Unabhängigkeit und die mögliche Vereinbarung von Familie und Beruf stehen jedoch auf dem Wunschzettel vieler Arbeitnehmer. Doch welche weiteren Möglichkeiten gibt es, um Ihren Arbeitstag flexibel zu gestalten und die Sie unbedingt mit Ihrem Arbeitgeber besprechen sollten?

Planen Sie Ihre Arbeitszeiten langfristig

Ein Jahr bezahlter Urlaub – Langzeitarbeitskonten machen dies möglich. Wenn Sie dieses Modell nutzen möchten, haben Sie die Möglichkeit bis zu 200 Arbeitsstunden zusätzlich im Jahr anzusammeln und sich diese anschreiben zu lassen. So können Sie nach einigen Jahren mehrere Monate eine Auszeit nehmen, früher in Rente gehen oder sich das Geld auszahlen lassen. In einigen Unternehmen ist es in stressigen Phasen nicht unüblich, dass sich einige Überstunden ansammeln. Langzeitarbeitskonten helfen Ihnen dabei, diese später sinnvoll auszugleichen. Ein prominentes Beispiel in Deutschland ist der Frankfurter Flughafenkonzern Fraport, der Langzeitarbeitskonten schon seit einigen Jahren anbietet und so wirtschaftliche Erfolge erzielt und die Mitarbeiterzufriedenheit erhöht.

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Das Prinzip des Job Sharings ist im Grunde simpel: Zwei Personen teilen sich eine Stelle oder Aufgabe. Der Vorteil ist, dass Sie sich wegen Ihrer Arbeitszeiten kurzschließen und flexible Absprachen treffen können ohne dass Arbeit liegen bleibt. Diese enge Form der Zusammenarbeit schafft ein Vertrauensverhältnis und fördert die Kreativität – zwei Köpfe haben mehr Ideen als einer und die Arbeit wird permanent von einer zweiten Person geprüft. Auf diese Art und Weise werden die Mitarbeiter produktiver und Fehler werden schneller entdeckt und ausgemerzt. Das so genannte Job-Tandem wird unter anderem von Unternehmen wie Coca-Cola und Thyssen-Krupp erfolgreich angewandt. Job Sharing eignet sich vor allem in Führungspositionen besser als das klassische Teilzeit-Modell, da durch die Doppelbesetzung bei gut funktionierender Absprache immer ein Ansprechpartner und Entscheidungsträger zur Verfügung steht. Besonders beliebt ist Job Sharing bei Ärzten, Ingenieuren und IT-Spezialisten – rund 35 Prozent der Job-Sharing-Angebote fallen in diese Berufsgruppen. Der Trend zeigt, dass sich das Job Sharing neben dem Home Office und der Teilzeit zu einem der beliebtesten Modelle entwickelt.

Arbeiten Sie am Strand oder in den Bergen

Eine neue Umgebung abseits von den alltäglichen Büroräumen wird für Sie und Ihr Team hilfreich sein, um neue Ideen zu sammeln und kreativ zu arbeiten. Unternehmen die in „Workation“ gehen, machen quasi einen Arbeitsurlaub mit ihrem Team. Das gesamte Team fährt für einige Tage an den Strand oder in ein Naherholungsgebiet und sammelt dort in entspannter Atmosphäre neue Ideen und Eindrücke, die sich positiv auf die Kreativität und die Produktivität auswirken. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich bei einem gemeinsamen Ausflug die Teamarbeit optimiert. Die Teammitglieder haben in diesen Tagen einen intensiveren Umgang miteinander und lernen sich und ihre Arbeitsweise in der Zeit besser kennen. Bislang wird Workation in Deutschland vor allem von Freelancern genutzt, die sich zusammenschließen und gemeinsam ihrem Alltag entfliehen. Die Münchener Beispiele Vetalio und cloudsider zeigen jedoch, dass Workation eine Möglichkeit ist, die auch für Arbeitsgruppen funktioniert.

Erledigen Sie Ihre Arbeit, wann und wo Sie möchten

Eine eher außergewöhnliche Möglichkeit die Arbeit flexibel zu gestalten, ist, den Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, dass sie arbeiten können, wann immer sie möchten. Auch der Urlaub wird in diesem Modell nicht beschränkt und kann so oft und viel genommen werden, wie der Arbeitnehmer möchte. Netflix ist in diesem Bereich Vorreiter und steht momentan mit diesem Modell noch ziemlich einsam dar. Das Modell beruht auf einer ausgereiften Vertrauensbasis und findet momentan vor allem in der Kreativbranche Beachtung. Kreativität, Ideenreichtum und Mitarbeiterzufriedenheit werden gefördert. Neben all der Freiheit, muss der Mitarbeiter in der Regel jedoch auch ständig erreichbar sein. Die Hauptsache ist jedoch, dass sie ihre Aufgaben fristgerecht erledigen – unabhängig von Ort und Uhrzeit.

Zusammengefasst: Flexible Arbeitsmodelle bieten eine Vielzahl an Vorzügen. Die Arbeitszufriedenheit steigt, die individuelle Gestaltung der Zeiten und eine Beachtung der Work-Life-Balance haben einen positiven Einfluss auf die Gesundheit. Fühlen Sie sich wohl, arbeiten Sie gerne und werden produktiver und die Arbeitsabläufe effizienter. Gute Gründe, die Sie auch mit Ihrem Arbeitgeber besprechen können. Wenn Sie Ihre Wünsche äußern und gute Argumente liefern, wird er Ihnen entgegenkommen und Sie können eine Lösung finden, von der Sie gleichermaßen profitieren.

Finden Sie hier Informationen rund um die Arbeitnehmerzufriedenheit in Deutschland.

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